Kolumbianische Karibikküste: auf kolonialen Spuren

28.05. – 03.06.2013, Cartagena, Kolumbien

Bevor wir in die (aktuell) kalten Hochlandregionen Kolumbiens, Ecuadors und Perus reisen, wollen wir noch ein wenig tropisches Flair genießen. Wir fliegen von Rio de Janeiro nach Cartagena, an die kolumbianische Karibikküste.

In den letzten Monaten haben wir viele Rucksacktouristen getroffen, die uns von Kolumbien vorgeschwärmt haben. Der Tourismus ist noch nicht übermäßig ausgeprägt, das Land hat viele paradiesische Ecken. Wir sind neugierig…

Kolumbien – seid Ihr sicher??“
Die Sicherheitssituation hat sich in den letzten 10 Jahren drastisch verbessert – die kolumbianische Regierung hat in der jüngeren Vergangenheit (mit US-Unterstützung) hart durchgegriffen. In einigen Landesteilen sind bewaffnete Gruppen wie ELN und FARC noch aktiv – wir befolgen wie auch bei unserer restlichen Reise die Hinweise des Auswärtigem Amtes und meiden diese Regionen.

Cartagena
Die Altstadt Cartagenas wurde im spanischen Kolonialstil erbaut – und ist gut erhalten bzw. teils aufwändig restauriert. Kastell, Kathedrale, Kirchen, offizielle Bauten (z.B. der Hauptsitz der spanischen Inquisition!) sind eindrucksvoll – den wahren Reiz der Stadt machen jedoch die atmosphärischen kleinen Straßen aus. Die Stadt ist voll mit fliegenden Händlern, die tropische Früchte (Fruchtteller: 2€), Arepa (frittierte Maisfladen) und natürlich Kaffee verkaufen.

Die Stadt wird bevölkert von einer bunten Mischung an Menschen. Neben libanesischen Kebab-Imbissen bemerken wir direkt die große Zahl von Afro-Latinos, die hier leben. Gleich am ersten Abend bekommen wir im Rahmen einer Kulturveranstaltung ein Gratiskonzert einer Afro-Karibischen Musiktruppe mit Tanzaufführung mit. Wir werden von der Energie und Lebensfreude direkt angesteckt.

Playa Blanca
Das Klima in der Region macht uns erst einmal zu schaffen: hier herrschen permanente 30° Celsius Tag & Nacht bei 90% Luftfeuchtigkeit. Die Klimaanlagen und Ventilatoren im Hostel laufen auf „Maximum“ – die nächste dicke Erkältung ist dieses Mal bei Lutz vorprogrammiert.

Wir beschließen zwecks Abkühlung für ein paar Tage an den nahe gelegenen Strand „Playa Blanca“ zu fahren. Per Boot ist man in einer knappen Stunde vor Ort. Auf dem Weg sehen wir im Marinehafen beschlagnahmte U-Boote „Marke Eigenbau“ von Drogenschmugglern. Am Strand angekommen, suchen wir uns eine Hütte mit Palmdach („Cabana“) – und springen schleunigst ins angenehm warme und klare karibische Meer.

Rucksack-Resort
In Playa Blanca gibt es keine Stromversorgung – unser Nachbar hat Erbarmen und schenkt uns eine Lampe – bestehend aus einem mit Sand gefüllten 5L Wasserkanister mit Kerze. Bei Kerzenschein verspeisen wir unser mitgebrachtes Abendessen am Campingtisch direkt am Meer: Avocado mit Roggenbrot. (Kulinarischer Highlight: im Supermarkt in Cartagena fanden wir das Roggenbrot einer deutschen Bäckerei aus Bogotá!). Später spielen wir mit anderen Rucksacktouristen ein paar Runden Karten.

Den nächsten Strandtag teilen wir mit einer großen Zahl von Einheimischen, die am Sonntag die Bucht rege bevölkern. Das Strandleben ist an diesem Tag so unterhaltsam, das wir unsere Bücher „links liegen“ lassen.

Müllberge
Als wir ein paar Meter hinter unser Cabana-Glück blicken, sehen wir eine mit Müll vollgepackte Sumpflandschaft. Als in der zweiten Nacht der Seewind abflaut, riecht es in den Hütten recht unangenehm. Wir erfahren von den Einheimischen, daß das gesamte Strandgebiet (unter dubiosen Umständen) an Investoren verkauft wurde. Das Sumpfgebiet soll in 1-2 Jahren trockengelegt werden – der Strand mit Hotelburgen bebaut werden. Die Motivation den Müll wegzuschaffen ist bei den enteigneten Einheimischen entsprechend gegen Null gesunken.

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6 Kommentare zu Kolumbianische Karibikküste: auf kolonialen Spuren

  1. Heike und Wilfried sagt:

    Hallo ihr zwei,

    ich habe endlich mal wieder euern Blog gelesen und jede Menge verpasst. Eure Reise ist echt fantastisch. Als Biologin interessiert mich ja wie groß eine Riesenameise ist.

    LG aus Haren
    Heike und Männer

    • Lutz sagt:

      Hallo liebe Pöttkers,

      schön von Euch zu hören!

      Die Größe der Riesenameise in Iguazu/Argentinien können wir nur schätzen: ca. 3 Zentimeter.
      Wir haben vor kurzem Kolumbien extrem arbeitssame Urwald-Ameisen beobachtet – im nächsten Blog Artikel („Dschungelcamp“) stellen wir für Euch ein Video rein 🙂

      Liebe Grüße aus Medellín
      Sylvia & Lutz

  2. Klaus sagt:

    Hallo,
    mal wieder echt schöne Bilder, die uns neidisch werden lassen.
    Inzwischen habt Ihr ja so richtig Farbe bekommen…

    Krass wie die Immobilienhaie sich das Paradies erschließen und die Anrainer das nachsehen haben…

    Über D hat sich seit Montag die Saharahitze niedergelegt, alle schwitzen bei unglaublichen 35°C!!! Ab morgen sind abkühlende Gewitter angesagt.

    Enjoy.

    Klaus

    • Lutz sagt:

      Hi Klaus,

      die betroffenen Anwohner sind fest der Meinung, daß der Landverkauf durch Bestechung der Provinzregierung zustandegekommen ist. Dagegen wird über Plakate am Strand protestiert – vermutlich bringt es jedoch nichts.

      Aber immerhin: Kolumbien liegt auf dem „Transparency International Corruption Perception Index“ bei den südamerikanischen Ländern auf Platz 5 hinter Chile, Brasilien, Uruguay und Perú.

      Viele Grüße
      Lutz

  3. Till sagt:

    Halo Sylvie und Lutz,

    schöne Bilder aus Cartagena und dem unbekannten Kolumbien, wo eine Freundin von uns 5 Jahre gelebt hat. Damals allerdings unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen – Familie besteht aber auch aus lauter Schissern….
    Ihr habt ja mächtig Spaß. Habe Gutes gehört von der Insel San Andres und einer Schiffahrt von Kolumbien nach Panama (in Leverkusen wohnt eine ganze Sippe Kolumbianer).

    Grüße
    Till

    • Lutz sagt:

      Hi Till,

      mitterweile kann man sich in Kolumbien sehr gut als Tourist bewegen – obwohl z.B. Entführungen immer noch vorkommen.
      Mal schauen, evtl. schreiben wir bei Gelegenheit mal unsere Eindrücke zum Thema „Sicherheit in Kolumbien“ im Blog.

      San Andres soll paradiesisch sein, liegt geographisch jedoch kurz vor Nicaragua – nur per Flugzeug zu erreichen & zu verlassen.
      Da wir im August ja in die Südsee fliegen wollen, haben wir uns den Ausflug nach San Andres jedoch gespart – und ziehen jetzt weiter südlich in die Anden.

      Schönen Jroß nach Voiswinkel
      Lutz

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