Holzkirchen und Erdöfen im Süden Chiles

16.03. – 25.03.2013 Insel Chiloé, Chile

Die Insel Chiloé ist ländlich geprägt, neben Landwirtschaft betreibt man hier Lachszucht und Fischfang. Bekannt sind die dortigen Holzkirchen – die so besonders sind, daß sie teilweise zum Unesco Weltkulturerbe gehören. Uns lockt natürlich auch die Aussicht auf fangfrische Fisch- und Meeresfrüchte in kleinen dörflichen Restaurants. Wir planen eigentlich nur einen Abstecher von Puerto Montt aus zu unternehmen – die Insel gefällt uns jedoch so gut, das wir letztendlich fast 10 Tage dort bleiben.

Blech oder Holzschindel?
Auf dem Weg in die Bezirkshauptstadt Castro fällt uns direkt auf: die Häuser bestehen hier fast ausschließlich aus Holzkonstruktionen – entweder mit Holzschindeln oder mit dünnem Blech verkleidet. Egal wie gebaut – meistens sind die Häuser mit einem farbenfrohen leuchtenden Anstrich versehen. Das gilt auch für die besagten Holzkirchen. Die meisten wurden im 19 Jhd. errichtet – die missionierenden Jesuiten versprachen sich von den farbenfrohen Gotteshäusern wohl eine größere Anziehungskraft auf die indigene Bevölkerung.

Samstags abends in Castro genießen wir noch eine Portion „Stadtleben“: wir finden zufällig eine Bar, in der eine Jam-Session mit lokalen Musikern stattfindet. Von Latino-Folk bis Rock und Ragga wird gesungen und getanzt. Wir fahren nach einer langen Nacht am nächsten Tag per Bus in das 350-Einwohner-Dorf Tenaún. Dort steigen wir in einer kleinen Hosteria ab – Wirtin Mirella ist eine freundliche, stämmige Frau mittleren Alters und eine exzellente Köchin. Mann Guido ist Teilzeit-Fischer. Wir fühlen uns auf Anhieb sehr wohl in der ländlichen Pension.

Landleben
Am ersten Abend spazieren wir durchs Dorf – und beobachten die Fischer bei ihren Arbeiten an Netzen und Booten. Wir laufen entlang der Küste in Richtung der untergehenden Abendsonne – bis Sylvia eine Gruppe von 5 Delfinen entdeckt. Die Tiere sind auf Fischfang in Küstennähe – und schwimmen bis auf ca. 15 Meter an uns heran! Wir schauen uns das Spiel der Delfine fasziniert an und können es kaum glauben, „einfach so“ eine solche Privatvorstellung zu erleben.

Am nächsten Morgen nimmt uns Gastgeber Guido in seinem Boot mit zur vorgelagerten Insel Mechuque. Die Fahrt über neblige Wasserstraßen erzeugt eine mystische Stimmung – insbesondere als wir wiederum Delfine und Seehunde vom Boot aus beobachten. Wir erkunden die Insel und fühlen uns im dortigen Dorf wie in eine vergangene Zeit zurückversetzt. Der Geruch von Holzofenfeuer zieht durch die schmalen Gassen – Autos gibt es nicht. Überall sind freilaufende Hühner bzw. Schweine zu sehen. Die Fischer bauen ihre Boote teilweise noch selbst.

Eintopf aus dem Erdofen
Nach einigen Tagen ziehen weiter und fahren mit Bus und Fähre auf die vorgelagerte Insel Quinchao. Während der Fahrt sehen wir Plakate, die das „Fest zur Verabschiedung der Zugvögel“ in einem nahe gelegenen Dorf ankündigt. Rechtzeitig zum Ende des Sommers wird der Strand gereinigt – und der traditionelle Eintopf aus dem Erdofen „Curanto al Hoyo“ aufgetischt. Klar, das wir uns diese Fiesta nicht entgehen lassen.

Wir werden als einzige Gringo-Touristen vor Ort wieder über Mikrofon persönlich begrüßt. Bei der Reinigung des Strandes müssen wir glücklicherweise nicht mithelfen – stattdessen probieren wir erst einmal die fangfrischen Austern zu 0,80€ das Stück.

Der Curanto-Eintopf besteht aus Miesmuscheln, Hühner- und Schweinefleisch, Würstchen, und Teigfladen aus Kartoffelteig. Die Zutaten werden schichtweise auf glühend heiße Steine in eine Erdkuhle gelegt. Das ganze wird mit Blättern, feuchten Tüchern und schlussendlich einer Erdschicht abgedeckt. Das Kochgut dünstet auf diese Weise stundenlang – und schmeckt sehr gut!

Nachdem wir weite Teile der Insel erkundet haben, ziehen wir wieder weiter Richtung Argentinien.

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2 Responses to Holzkirchen und Erdöfen im Süden Chiles

  1. Jens & Family sagt:

    Hallo Ihr zwei,
    da wir ja auch alle Zutaten für das Curanto hier in Deutschland bekommen, freuen wir uns jetzt schon auf das Gericht was ihr uns dann hier sicherlich gerne vorkochen werdet. Also schreibt das Rezept nochmal ab, damit Ihr es nicht im Laufe des noch langen Jahres 2013 vergesst -:) !!!
    Imke

  2. Carolin sagt:

    Hallo Ihr beiden Traveller,
    wenn man eure Bilder anschaut jagt ein tolles Landschaftserlebnis das Nächste und ihr habt noch acht Monate Reisen vor euch, fantastisch! Und Ihr seht auch wunderbar entspannt und zufrieden aus, wie mag das erst Ende des Jahres sein?! 😉
    Hier hält wenigstens endlich-endlich der Frühling Einzug, juchhu!
    Ganz liebe Grüße
    Carolin

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