South Luangwa – wenn dem Wasserbüffel die Stunde schlägt

02.-05.11.2013 South Luangwa Nationalpark, Zambia
Wir können einfach nicht genug vom „Wildlife-Watching“ bekommen. Ausspähen & Beobachten von Großwild in freier Natur, von Wildhütern über das Zusammenspiel der Tierwelt zu lernen – all das macht uns unwahrscheinlich viel Spaß.

Der South Luangwa Nationalpark in Zambia gilt als einer der schönsten in Afrika. Wir buchen einen Aufenthalt in einer kleinen Lodge, die Safaris zu Fuß bzw. per Geländewagen in Gruppen mit max. 4 Personen anbietet. Motto: die Tierwelt so wenig wie möglich stören & so nahe wie möglich herankommen.

Zu Fuß durch den Busch
Am ersten Morgen starten wir um 5.30h zur „Walking Safari“: mit 2 Guides, einem bewaffneten Scout sowie 2 weiteren Touristen. Das Buschland in South Luangwa ist viel dichter als z.B. im Okawango Delta. Das Risiko eines überraschenden Aufeinandertreffens von Wildtier und Mensch ist hier also deutlich größer. Daher ist ein erfahrener Schütze für den Notfall mit dabei – auch wenn der Anblick einer Waffe bei uns eher gemischte Gefühle auslöst.

Wir verfolgen die Spuren von Flusspferden, die stets auf dem gleichen schmalen Pfad vom Fluss zu den Grasweiden laufen. Unser Guide Edward erklärt: viele Tierarten z.B. Antilopen folgen diesen „Hippo-Autobahnen“ um Wasser zu finden. Nachdem wir einige badende Flusspferde beobachtet haben, geht es querfeldein ins Buschland. Nach einiger Zeit hören wir die wild-trötenden Rufe eines Elefanten. Edward erkennt am Geräusch: „Das ist ein junger Elefantenbulle. Und er ist ziemlich gestresst.“ Wir nähern uns vorsichtig dem Grautier und Edward analysiert: der „Teenager“ läuft panisch-suchend durch die Gegend – er wurde vermutlich von der Herde verstoßen, damit er fortan „auf eigenen Füßen“ durchs Leben läuft. Wir halten respektvoll Abstand, denn das Tier scheint keinen guten Tag erwischt zu haben.

Gnadenlose Natur
Nachmittags um 16h geht es gleich weiter mit einem „Night-Drive“. Zwei Giraffen-Männchen kämpfen in der Dämmerung. Die von uns beobachtete Auseinandersetzung hat eher noch „Sparring“-Charakter: es kommt jedoch oft genug vor, das diese doch so friedlich wirkenden Tiere im Kampf um Paarungspartner sich gegenseitig töten.

Nach einigen hundert Metern entdecken wir an einem Wasserloch einen im Schlamm steckengebliebenen Wasserbüffel. Durch die lange Trockenzeit ist das Tier unterernährt und erschöpft. Die ersten (heftigen!) Regenfälle haben den Boden ein Stück aufgeweicht – das Tier ist ein Stück eingesunken und nun zu schwach um sich zu befreien. „Dieser Wasserbüffel wird mit Sicherheit in der kommenden Nacht von Löwen gefressen. Da er wehrlos ist, werden die Raubtiere ihn wohl gar nicht erst töten, sondern direkt mit dem Fressen beginnen“ erklärt Edward. Es ist nicht leicht, die verzweifelten Befreiungsversuche des Tiers anschauen zu müssen. „Könnte man den Wasserbüffel nicht einfach erschießen?“ fragen wir. „Wir sind hier in einem Nationalpark – der Kreislauf der Natur darf durch den Menschen nicht gestört werden. So hart es sich auch anhört: die Löwen wollen auch fressen…“ Was in Tierwelt-Dokufilmen nur kurz angerissen wird, erleben wir hier hautnah: wie gnadenlos und grausam die Natur sein kann.

Später kommen wir mit dem Fahrzeug einem durch einen Busch verdeckten Elefanten gefährlich nahe. Das Tier brüllt warnend. Wir bekommen es etwas mit der Angst zu tun. „Woran liegt es eigentlich, dass Großwild die offenen Safari-Vehikel nicht angreift?“ fragen wir. Edward: „Für Tiere wirkt ein Fahrzeug mit 6 Personen wie ein einziges Lebewesen. Sie greifen nicht an, da sie den ‘Gegner’ für viel zu groß halten“. Wir hoffen, das sich keiner der Löwen denen wir begegnen, für einen Superhelden hält…

Nachtaktiv
Auf der Nachtfahrt sehen wir neben Löwen, Leoparden auch Hyänen. All diese Raubtiere sind nachtaktiv – schließlich haben sie bis zu 6-mal empfindlichere Auge als ihre Beutetiere. Dieser Vorteil wird reichlich ausgenutzt – die uns entgegenkommenden Löwen sehen bereits reichlich vollgefressen aus. Vielleicht vom Wasserbüffel von vorhin?

Nachts in der Unterkunft werden wir von einem brüllenden Flusspferd direkt vor unserer Tür geweckt. Anschließend vernehmen wir ein fauchendes Geräusch. Liegt eine Raubkatze direkt vor unserem Fenster und ist sauer? Der Lichtkegel der Taschenlampe offenbart: der Ventilator im Zimmer hat nach stundenlangem Einsatz ein mechanisches Geräusch entwickelt – das im ersten Moment einem Raubtier zum Verwechseln ähnlich klingt. Vielleicht hat uns die Nachtsafari doch mehr beeindruckt als wir dachten?

Wer frisst was übrig bleibt?
Am nächsten Morgen sehen wir weit vor der Wasserloch-Stelle die Geier am Himmel kreisen. Wir wissen also bereits bevor wir das Wasserloch erreichen: Edward hatte recht.

PS: Wer überlegt eine Safari abseits der Standardziele zu unternehmen: Die Lodge heißt Flatdogs – und kann von uns bzgl. der Safari-Guides, Touren, Unterkunft, Restaurant, Freundlichkeit rundum empfohlen werden!

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3 Responses to South Luangwa – wenn dem Wasserbüffel die Stunde schlägt

  1. Carolin sagt:

    Hallo Ihr Beiden,
    bald macht ihr noch Grzimek & Sielmann Konkurrenz! 😉
    Eure Begeisterung für die Landschaften und die Tierwelt ist in jeder Zeile und in jedem Bild spürbar…. Das ist klasse.
    Genießt die Zeit, liebe Grüße aus einem verspäteten RE
    Carolin

    • Lutz sagt:

      Hi Carolin,

      lieben Dank für Deine Kommentare, freuen wir uns immer sehr darüber!

      Das wird bestimmt eine große Umstellung, bald in Deutschland wieder mit der DB unterwegs zu sein.
      Wir sind vor einigen Tagen von Zambia nach Dar es Salam mit dem Zug gefahren – 67h lang im “Mofatempo”. Die Waggons wurden in dern 70er-Jahren von den Chinesen ausgemustert… die Wagen sind bei jeder Schwelle gehüpft, feinster Metall-auf-Metall Sound. Wir hatte das Gefühl, das wir alle 400m einer Beinaheentgleisung entgangen sind.
      Der Zug fährt 1mal pro Woche – und hält an jedem Dorf. Dadurch war in den entlegenen Regionen praktisch überall bei der Einfahrt Volksfeststimmung angesagt.
      Superreife Mangos für 0,1€, Süße Ananas für 1€, Bananen… die Nahrung wurde vom Bahnsteig direkt ins Abteil geliefert.
      Wir hinken aktuell etwas hinterher, vielleicht gibts hierzu noch eine Blog-Story…

      Liebe Grüße aus Uganda
      Sylvia & Lutz

  2. Friedemann und Henrike sagt:

    Hallo Lutz und Sylvia,
    es hat funktioniert! Wie haben die konventionelle Postkarte von Euch aus Zambia bekommen und uns sehr gefreut. Bei der Gelegenheit haben wir auch mal wieder auf Eurer Weltenbummlerseite nachgeschaut was Ihr zwischenzeitlich so erlebt habt. Alter Schwede! Eure Berichte und Bilder sind wirklich toll. Die Tierbilder muss ich dann nochmal unseren Jungs zeigen. Dann wünschen wir Euch auf dem letzten Stück der Reise weiterhin alles Gute und bleibt gesund.
    Liebe Grüße, Friedemann und Henrike

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