Zimbabwe – Farbe weiß verboten?

18. – 31.10.2013, Quer durch Zimbabwe
Wir verabschieden uns in Victoria Falls von unserer Overland-Reisegruppe, und sind ab sofort wieder „auf eigene Faust“ unterwegs. Mit dem Überlandbus geht es weiter in die Provinzhauptstadt Bulawayo, um Zimbabwe abseits vom Touristenrummel kennenzulernen. Kurz nach Abfahrt nimmt der Busbegleiter das Mikrofon in die Hand und betet minutenlang – Schwerpunkt des Gebets sind Fürbitten für die Sicherheit der Fahrgäste sowie eine Andacht für die Seelen der Verkehrsopfer. Wir sind vorgewarnt: die Menschen in Zimbabwe sind sehr religiös – zudem merken wir rasch: aufgrund der Fahrweise und (Beladungs)-Zustand der Fahrzeuge sind Gebete durchaus sinnvoll.

Die Bustür ist defekt – der sirenenartige Türalarm hämmert sich während der 6-stündigen Fahrt tief in unser Bewusstsein ein. Dazu spielt der Busfahrer einen Megamix an Gospelsongs. Doppelt hält halt besser. Erholung wartet in Bulawayo: wir „gönnen“ uns eine komfortable Unterkunft in einem netten Kolonialgebäude. Auf der zurückliegenden 3-wöchigen Campingtour war der verfügbare Platz im 2-Personenzelt und Truck recht beschränkt, umso mehr genießen wir jetzt den Pool, großes Zimmer mit Holzfußboden & Badewanne sowie großzügig ausgestatteter Küche.

Schreck!
Schreck lässt allerdings nicht lange auf sich warten: Sylvia wird in der ersten Nacht von Fieber und Schüttelfrost heimgesucht. Wir sind ziemlich beunruhigt, da wir uns in Namibia und Botswana in Malariagebieten mit “hohem Risiko” aufgehalten haben. Das Fieber klingt zwar sofort wieder ab, wir lassen jedoch umgehend einen Malaria-Test in einem Privatkrankenhaus durchführen. Ergebnis: negativ. Der behandelnde Arzt legt uns dennoch nahe ein Malaria-Medikament zu nehmen – da in einigen Fällen die Parasiten nicht mehr nachweisbar sind, sobald das Fieber abgeklungen ist. „Wozu dann eigentlich der Test?“ fragen wir uns – folgen jedoch brav dem Rat. Die nächsten Tage gehen wir ruhig an – Sylvia geht es weit gut und der Wiederholungstest nach entsprechender Karenzzeit ist glücklicherweise wiederum: negativ. Wir sind sehr erleichtert!

Als Highlight besuchen wir (mit dem hervorragendem Guide Markus) den Matopos Nationalpark mit bizarren Felsformationen und allerlei Echsen und Insektengetier.

Farbe Weiß verboten?
Ursprünglich hatten wir nicht vor nach Zimbabwe zu reisen – aufgrund vager Erinnerungen an Presseberichte aus den 80er und 90er Jahren. Seit der Unabhängigkeit 1980 ist ein totalitäres Regime an der Macht – mit dem Präsidenten „auf Lebenszeit“ Robert Mugabe an der Spitze. Berichte über die Enteignung weißer Farmer nach der Jahrtausendwende haben nicht nur in Europa für Entrüstung gesorgt. Weiße Südafrikaner wollten uns zuvor ernsthaft versichern: „Mugabe hat die Farbe Weiß in Zimbabwe verboten. Weiße Gebäude wurden neu gestrichen etc.“.

Glücklicherweise haben wir im Vorfeld einige Reisende getroffen, die bereits in Zimbabwe unterwegs waren. Auch unsere Overland-Reiseleitung Zolewe versicherte uns: „Die Situation hat sich vor einigen Jahren deutlich entspannt. Das Land ist sicher, viele Weiße sind zurückgekehrt“.

Armut & Korruption sind nach wie vor zwei sehr große Bürden für Zimbabwe. Dennoch: die Menschen sind sehr herzlich und freundlich – wir haben überall das Gefühl willkommen zu sein.

Township-Realität
Wir besuchen zu dritt mit unserem Guide Oscar das Township Mbare vor den Toren der Hauptstadt Harare. Nach der Machtübernahme Mugabes schritt der Niedergang der Wirtschaft aufgrund von Kapitalflucht rasch voran. Die Arbeitslosigkeit im Land wird auf 80% (!!) geschätzt – dies trifft besonders Arbeiterviertel wie Mbare.

Der Großteil der Menschen ist im „Informal Business“-Sektor beschäftigt – d.h. ohne Gewerbeschein oder Steuerabgabe. Wir sehen unzählig viele Kleinhändler auf den Märkten und am Straßenrand. In Mini-Betrieben werden alle möglichen Waren wie Ziegel, Särge oder Drahtzäune gefertigt. Solange die Betriebe klein und im Township angesiedelt sind, wird dies vom Staat geduldet – die Umsätze sind ohnehin bescheiden.

Auf den Märkten wird vor allen Dingen mit Second-Hand Kleidung gehandelt. Interessant finden wir die Stände für traditionelle Heilmittel. Elefanten-Mist soll gut gegen Menstruationsbeschwerden sein, Schlangen-Stücke gegen Syphilis. Das Angebot an Kräutern gegen Hals- oder Magenschmerzen wirkt da schon überzeugender…

Wir besuchen ein Viertel in dem alte staatliche Mietkasernen („Compounds“) stehen. Die Häuser wurden aufgrund von Geldknappheit vom Staat aufgegeben. Niemand zahlt hier Miete – es findet keinerlei Wartung statt, entsprechend desolat sehen die Gebäude aus. Wir dürfen eine der Wohnungen besuchen – eine karge Betonzelle von ca. 12m². Uns fehlen die Worte: hier lebt eine 6-köpfige Familie! Man freut sich darüber ein festes Dach über dem Kopf zu haben – diese Unterkunft ist deutlich besser als eine der windschiefen Wellblech-Hütten am Rande von Harare.

Die Menschen sind freundlich und ohne Scheu – wir bleiben noch ein bisschen vor Ort. Lutz lernt das Kartenspiel „Casino“ – mit lautstarker Unterstützung der umstehenden Zuschauer.

Weiterfahrt nach Zambia
Weiter geht es von Harare nach Lusaka, der Hauptstadt Zambias. Entgegen unserer eisernen Regel fahren wir über Nacht… Ohrenbetäubender Gospel aus den Lautsprechern und Gebete sind notwendiger denn je: unbeleuchtete Fahrzeuge (fahrend oder liegengeblieben), Kühe oder Menschen auf der Fahrbahn machen die Fahrt zum Roulettespiel. An der Grenze zu Zambia haben wir den ersten Warteplatz vorm Schlagbaum – dafür müssen wir allerdings 6 Stunden warten bis die Grenze öffnet. Die Mitreisenden machen es sich draußen auf dem Boden oder Bänken bequem – wir versuchen ein wenig auf den (nicht verstellbaren) Bussitzen auszuruhen. Komfort ist auf Reisen halt manchmal „relativ“.

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1 Response to Zimbabwe – Farbe weiß verboten?

  1. Till sagt:

    Hallo Leute,

    wenn Ihr Mugabe seht, haut ihm aufs Maul. Der Typ wird in Afrika als Held verehrt, da wundert mich nix mehr.

    Tolle Bilder von Zimbabwe usw., bis in einem Monat

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