Okawango Delta: Vollkontakt mit Großwild

12.-15.10.2013 Okawango Delta & Chobe Nationalpark, Botswana
Ryan begrüßt uns herzlich per Handschlag „Mal sehen ob wir heute Wild sehen. Die Chancen sind gut, aber versprechen kann ich natürlich nichts…“. Wir besteigen das kleine Cessna-Sportflugzeug für einen Rundflug über eins der berühmtesten Naturschutzgebiete Afrikas – dem weit verzweigten Flussdelta des Okawango.

Oktober ist einer der heißesten Monate in Botswana – viele Tiere ziehen von den ausgetrockneten Steppen an das Flussdelta, um zu grasen und zu trinken. Die 6-sitzige Cessna mutet an wie ein fliegender Kleinwagen. „Normalerweise fliege ich Safari-Gäste zu den weit abgelegenen Luxus-Lodges“ sagt Ryan. Gegen eine faire Gebühr von 64€ p.P. kommen auch wir „Bushcamper“ in den Flug-Genuss. Mit 180 km/h Bodengeschwindigkeit geht es gemächlich durch die späten Nachmittagsstunden. Die Sonne geht bald unter und wir können zahlreiche Elefantenherden, Springboks, Wasserbüffel und Flusspferde sehen. Aufgeregt tauschen wir Handzeichen mit den anderen Fluggästen aus, sobald wir jeweils eine Herde Wildvieh entdecken.

Mit dem „Mokoro“ ins Delta
Die kleinen Kanus („Mokoro“), mit denen wir über den weitverzweigten Okawango fahren, sind aus zusammengenagelten Holzbrettern gefertigt. Einige Gruppenteilnehmer bekommen bei der Fahrt ein nasses Hinterteil. Sylvia und Lutz haben Glück: ihr Mokoro ist aus Fiberglas gefertigt – bis auf ein paar hereinschwappende Wellen bleiben sie „trocken“. Das Flussdelta des Okawango mündet nicht im Meer (viel zu weit weg…) sondern versickert in der 17.000 km² großen Ebene. Dadurch sind die Flussarme sehr flach – unsere Guides staken die Kanus mit Stäben vorwärts.

Langsam gleiten wir jeweils zu zweit durch die Schilflandschaft des Deltas. Wir verhalten uns ruhig, um Tiere möglichst nicht aufzuschrecken. Immer wieder beobachten wir Fischadler, Kingfisher, Reiher und andere Vögel. Unser Kanufahrer Richard legt plötzlich einen Umweg ein: vor uns sehen wir, wie ein Augenpaar aus dem Wasser auf uns blickt. Mitten in unserem Fahrweg ruht sich ein Flusspferd aus. Wir wissen bereits: in Afrika werden die meisten tödlichen Angriffe durch Tiere auf Menschen durch Flusspferde verübt! Dabei sehen „Hippos“ doch recht behäbig und gemütlich aus. Wenn es um die Behauptung des Reviers geht, können diese Giganten jedoch sehr aggressiv (und schnell) sein.

Camping in der „freien Wildbahn“
Nach unserer Ankunft bauen wir unser Buschcamp auf. Es gibt keine Zäune – wir übernachten im Vollkontakt mit der Tierwelt. Wir erhalten eine ernstgemeinte Einweisung: um Schlangen, Skorpionen etc. den Zutritt zu verweigern, ist das Zelt ist stets zu verschließen. Im Camp brennt rund um die Uhr ein Feuer, um ungebetene Wildgäste abzuhalten. Wir dürfen uns nicht mehr als 100m vom Feuer ohne Guide entfernen. Die „Buschtoilette“ wird per Spaten ausgehoben – Toilettenbesuche dürfen Nachts aus Sicherheitsgründen nur zu zweit verrichtet werden. Nachts ist die Gegend mit der Taschenlampe nach reflektierenden Augen abzuleuchten. Auf wundersame Weise gelingt es uns nächtliche Toilettenbesuche zu minimieren.

Natürlich sind im Busch keine Duschen vorhanden – aus Gründen des Naturschutzes darf Seife ohnehin nicht verwendet werden. Das Wetter ist jedoch schwül-heiß (~ 38° im Schatten) – dankbar springen wir in einen Seitenarm des Okawango Flusses. Unsere Guides beruhigen uns: „an dieser Stelle gibt es keine Krokodile oder Flusspferde“. Zum Beweis springen die Guides mit uns ins schlammige Wasser.

Game-Walk
Im Gegensatz zum Etosha-Nationalpark durchstreifen wir das Gebiet um unseren Zeltplatz im Okavango Delta zu Fuß. Unser Guide Richard schärft uns ein: wir dürfen uns Elefanten, Flusspferden usw. nicht mehr als auf 100m nähern. Richard entdeckt in großer Distanz eine Herde schwarzer Elefanten. Wir nähern uns der Gruppe in ihrem Windschatten – damit die Tiere uns nicht wittern können. Zu Fuß unterwegs und so mit den Tieren auf „Augenhöhe“ zu sein, ist ein völlig anderes Gefühl, als während des Game-Drives im Etosha Park. Wir fühlen uns hier einfach „mittendrin“ und weniger als Beobachter. Der Respekt gegenüber den Tieren bleibt jedoch groß.

Weit entfernt von den Flussarmen des Okawangos gelangen wir in die Nähe eines Wasserloches. Hier gibt es reichlich grünes Gras, wir beobachten Herden von Giraffen, Zebras und Gnus. Das Wasserloch selbst ist jedoch fast ausgetrocknet – hier zappeln einige verendende Katzenfische, die der Fischadler noch nicht erwischt hat. Unsere Guides kommen den Raubvögeln zuvor und nehmen 2 lebende Katzenfische kurzerhand für ihre eigene Bratpfanne mit.

Auf dem Chobe Fluss
Wir fahren weiter ins nördliche Botswana in den Chobe Nationalpark, unweit der Grenze zu Namibia. Die Landschaft ist extrem trocken, im Gegensatz zum Okawango Delta ist der Grünstreifen am Chobe Fluss auf einige hundert Meter begrenzt. Hierdurch ist das Einzugsgebiet für (durstige) Tiere enorm groß.

Wir fahren im 2-geschossigen Boot über den Fluss – und erleben das bislang größte Natur-Schauspiel unseres bisherigen Afrika-Aufenthalts. Vor dem Hintergrund der untergehenden Sonne beobachten wir Herden von Flusspferden, lauernden Krokodilen, Elefantenfamilien, Zebras und Wasserbüffel. Mit dem Boot kommen wir an die am Ufer grasenden oder trinkenden Tiere nah heran – und können diese in einzigartiger orangefarbener Abendstimmung beobachten. Sylvia und Lutz schauen sich an: das ist „unser“ Afrika.

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4 Responses to Okawango Delta: Vollkontakt mit Großwild

  1. Klaus sagt:

    Hey, super Bilder, echt genial.
    Schön, dass Ihr das erleben konntet und auch noch alles ohne tierisch Zwischenfälle (beim nächtlichen Spatenstich) gut überstanden habt.
    Unser Stubentiger bietet wenig Potential für besondere Erlebnisse, sie ist inzwischen ziemlich müde und verpennt…

  2. Carolin sagt:

    Hey Ihr beiden Abenteurer,

    die Bilder sind fantastisch! Wahnsinnsnatur, toll dass ihr das erleben konntet….ist schon ein Kontrast zur “Natur” im dicht besiedelten NRW. Habe gleich einen Termin im Umweltministerium, da geht es darum nur wenige Kilometer der Lippe zu renaturieren und das ist schon eine schwierige Sache…;-)
    Ganz liebe Grüße
    Carolin

  3. Roland sagt:

    Erinnert mich an unseren Safari!
    Beneiden Euch – Viel Spaß noch!

  4. Pingback: South Luangwa – wenn dem Wasserbüffel die Stunde schlägt | DreamTwoReality

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