Durch den Staub der Namib-Wüste

29.09.-08.10.2013, Kapstadt, Südafrika – Spitzkoppe, Namibia
Hufgeräusche lassen uns mitten in der Nacht aufschrecken: eine Herde unbekannter Tiere zieht dicht an unserem Zelt vorbei. Zebras? Antilopen? Oreks? Bis wir einen Blick aus dem Moskitonetz wagen können, ist die Herdenwanderung schon vorbei – und wir bleiben im Ungewissen.

Der Wecker klingelt um 4.30h. Etwas gerädert schütteln wir den Sand aus unserem Schlafsack und brechen unser Bush-Camp „Solitaire“ in der Namib-Wüste mit Hilfe von Taschenlampen ab. Wir starten früh, um von der 170 Meter hohen Düne „45“ aus den Sonnenaufgang auf die Wüste zu erleben. Der steile Aufstieg auf den Sandhügel verlangt einiges ab: ständig rutschen wir auf dem windigen Grat und sinken ein. Wir sind mittendrin auf unserer 5.600 km Tour mit dem Allrad-LKW von Kapstadt bis zu den Victoria-Falls…

Overland-Tour
Unser Transportmittel ist ein umgebauter Mitsubishi Allrad-LKW, übernachtet wird in 2 Personen Zelten (teils auf Camping-Plätzen, teils im „Busch“). Mithelfen bei Camp-Aufbau, Kochen, Spülen etc. gehört dazu. Die Crew besteht aus „Mama“ Solewe, einer quirligen, liebenswürdigen & praktikablen Power-Frau aus Zimbabwe sowie unserem Fahrer „Captain“ Swasora aus Namibia, den auch übelste Schlaglochstrecken nicht aus der Ruhe bringen können. Die Gruppe setzt sich aus 19 Personen, bunt gemischt über 6 Nationen sowie Altersklassen (27 J – 64 J) zusammen.

Kapstadt – Namibianische Grenze
Ab Kapstadt führen die ersten 600km durch grüne Frühlingswiesen und Weinberge. Mit zunehmender Strecke nimmt der Pflanzenbewuchs rapide ab. Üppige Vegetation geht gleitend in Steppe über, bis nach weiteren 400 km die Namib Wüste beginnt. Die sich über fast 1.000 km ausdehnende Sandödnis wird nur ab und an durch Büsche oder „Acacia“ Bäume optisch aufgelockert. Ab der namibianischen Grenze wird die asphaltierte Straße durch Pisten Marke „Feldweg“ abgelöst – zur Hitze (tagsüber 32° – 40°), Sand und Staub kommt das Auf- und Ab Erlebnis auf dem „Afrikanischen Massagestuhl“ im LKW (O-Ton Mama Sole). Die Etappen betragen teilweise bis zu 10h / Tag. Afrika ist groß…

Nach einigen Stunden Fahrt stoppen wir mitten im „Irgendwo“. Mama Sole schickt uns „in die Wüste“. Jeder läuft alleine für 10 Minuten in eine andere Richtung. Wir beobachten kleine im Zick-Zack-Kurs laufende Käfer, weiße Spinnen und stoßen auf Springbok-Spuren. Die Wüste lebt! Die meisten Wüstenbewohner kommen erst in der Kühle der Nacht an die Oberfläche – d.h. auf Skorpione und Schlangen trifft man glücklicherweise tagsüber weniger häufig. Im Truck sind wir froh, wieder den erfrischenden Fahrtwind um die Nase zu haben.

Klick & Klack
Für uns nur schwer nachzuvollziehen: in dieser Einöde leben Menschen! Wir besuchen einen Stamm der „San“. Diese Nomaden gelten als erste Bewohner der südlichen Länder Afrikas. Wir lernen einiges über die „Klick-Sprache“: bei der Aussprache von Wörtern wird zusätzlich zu den uns bekannten „Buchstaben-Lauten“ ein klickendes Schnalzen, Glucksen oder ein „Kuss“-Laut geformt. Auch nach mehreren Versuchen schaffen wir es nicht das vorgemachte „nachzusprechen“.

Die meisten der in der Wüste lebenden Stämme leb(t)en fast ausschließlich von der Jagd. Besonders beeindruckend fanden wir die Methode an Wasser zu gelangen: aus feuchtem Sand gewonnenes Wasser wird in Straußen-Eier gesammelt. Die Wüsten-Jäger vergraben diese Eier entlang ihrer Jagdpfade – und können so auch nach einigen Monaten auf Trinkwasser zurückgreifen.

Die moderne „westliche“ Lebensweise macht jedoch auch hier nicht halt, d.h. viele Stämme haben sich angepasst. Wir besuchen bei Kamanjab ein einfaches Hütten-Dorf der Ova-Himba, die noch auf traditionelle Weise leben. Die meisten der Himba-Kinder gehen nicht zur Schule, sie werden ausschließlich in Stammes-Traditionen unterrichtet. Die Frauen reiben ihre Haut mit einer rötlichen Paste aus Butter, Asche und Erde ein – zur Schutz vor Sonne und Insekten. Wasser darf zur Körperpflege nicht benutzt werden, stattdessen „reinigen“ sich die Frauen allmorgendlich während einer zeitaufwändigen Räucherzeremonie. Frauen werden mit Kühen ausgelöst: wer es sich leisten kann, lebt in Polygamie.
Für uns ist diese Lebensweise sehr fremd. Darf man sich jedoch eine Meinung darüber erlauben, was besser für andere Menschen ist? Bislang wurden wir mit dieser Frage auf unserer Reise noch nie so stark konfrontiert.

Swakopmund
In Swakopmund stoßen wir auf Deutsche Kolonialbauten mit Spitztürmchen aus wilhelminischer Zeit. Überall sind deutschsprachige Straßen- und Gebäudenamen, Werbetafeln und Hinweisschilder zu sehen. Entsprechend groß ist der Touristenrummel: Deutsche Touristen und Auswanderer geben den Ton an. Heimatgefühle braucht man hier nicht zu missen: Plakate werben u.a. für das Konzert der „Jagdhornbläser der Jägerschaft Duderstadt“ – veranstaltet vom „Deutschen Männer-Gesangsverein Swakopmund 1902“. Mit 4 deutschsprachigen Reisenden in unserer Gruppe sind wir in der Minderheit – jedoch haben alle Lust auf deftige Brauhauskost und Windhoek Bier – nach Deutschem Reinheitsgebot gebraut. Sylvia bucht einen Tisch im „Swakopmunder Brauhaus“ – wo alle auf ihre Kosten kommen. Lutz bekommt beim Verzehr der hervorragenden Grillhaxe mit Sauerkraut und Knödeln feuchte Augen vor Glück. Ähnlich wie die Buschmänner tanzen wir nach dem üppigen Gelage die Kalorien in einer der Swakopmunder Diskotheken wieder ab.

Den Brauhausausflug wissen alle sehr zu schätzen: am nächsten Tag reiten wir im LKW wieder durch Staub und Stand.

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1 Response to Durch den Staub der Namib-Wüste

  1. Klaus sagt:

    Ihr Lieben,
    toll wie Ihr Eure Erlebnisse schildert und. Sie uns nahe bringt!
    Schön, dass wir euch auf diese Weise begleiten können…

    LG Klaus

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